3. Unternehmerforum – Gesund im Betrieb
(Heidelberg, 28.06.2012) Was kann der Chef tun: Unternehmerforum zu psychischen Erkrankungen
Frau M. hat ein Einserabitur und einen sehr guten Abschluss in BWL. Trotzdem bekommt sie beruflich keinen Fuß auf den Boden: Sie ist impulsiv, verschreckt die Kollegen mit plötzlichen Gefühlsausbrüchen. Und verletzt sich selbst. Dutzende Schnittwunden bedecken beide Arme – Frau M. hat Borderline.
Etwa 12 Prozent der Bevölkerung leiden an einer Persönlichkeitsstörung. Solche psychischen Erkrankungen nehmen im Berufsleben zu. Deshalb hatten die IHK Rhein-Neckar und das BFW Heidelberg am Donnerstag (28. Juni) Unternehmer und Personalverantwortliche zum dritten Forum „Gesund im Betrieb“ ins SRH Seminarzentrum eingeladen.
„Würden Sie jemanden wie Frau M. einstellen?“, fragte Prof. Dr. Matthias Weisbrod in seinem Eingangsvortrag. Verhaltenes Schweigen folgte, bis der Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach die Vorzüge der Frau aufzählte: „Borderliner sind sehr spontan, flexibel und kreativ, sie erkennen Sachverhalte schneller als andere.“
Anschließend erklärte Prof. Weisbrod, unter welchen Umständen Autisten oder manisch Depressive ihr Potenzial voll entfalten können. Leider wird beispielsweise jede zweite Depression nicht erkannt. Doch je früher man den Betroffenen hilft, umso leichter fällt die Behandlung.
Personalberater kennen Lösungen für den Ernstfall: Christina Stephan und Dr. Reinhard Steinbring von der Kieler Firma OTHEB stellten das „Employé Assistance Program“ (EAP) vor. Herzstück ist eine soziale Telefonberatung, die Mitarbeiter bei beruflichen oder privaten Problemen jederzeit hilft. Und Josef Blatt sucht für Menschen mit Schwerbehinderung individuelle Joblösungen.
„Was kann denn ich als Vorgesetzter tun?“, war eine der Fragen in der anschließenden Diskussion. „Psychische Erkrankungen hängen wesentlich mit dem Umfeld zusammen. Wichtig ist, seinen Mitarbeitern klare Ziele zu geben und offen zu kommunizieren“, sagte Josef Blatt. Und Prof. Weisbrod ergänzte: „Sie müssen keine Psychiater sein, sondern einfühlsam merken, wenn sich ein Mitarbeiter verändert.“ Wie das im Arbeitsalltag gelingt, wurde auch nach Ende der Veranstaltung noch diskutiert.





