Fit fürs Informationszeitalter

23.10.2018

Die Digitalisierung verändert, wie wir lernen und arbeiten. Das stellt besonders Menschen vor Herausforderungen, die sich beruflich neu orientieren müssen. Wie berufliche Reha hier unterstützt, zeigten die 22. Heidelberger Reha-Tage.


Christian Winzer schilderte eindrucksvoll seine Erfahrungen im Berufsleben als Mensch mit Hörschädigung. Foto: Yannik Wollschläger/SRH

Ein junger Mann, der kaum sprechen kann – und trotzdem Jugend- und Heimerzieher werden will. Ein gestandener Mechaniker und Handwerker, der fast 140 Bewerbungen schreibt – aber wegen seiner Hörschädigung keine Stelle findet. Die berufliche Rehabilitation steckt voller Herausforderungen. Aber mit neuen Ideen, der richtigen Technik und gemeinsamem Austausch finden sich Lösungen.

Das zeigte die SRH Berufliche Rehabilitation auf den Heidelberger Reha-Tagen am 16. und 17. Oktober. Zum 22. Mal hatte das Unternehmen Reha-Berater und andere Interessierte eingeladen, sich über aktuelle Entwicklungen in der beruflichen Reha zu informieren und auszutauschen. Dabei schilderten die Abteilungen ihre vielfältige Arbeit.

Die etwa 70 Besucher hörten fasziniert zu, als Sebastian Gembardt, Abteilungsleiter im Technologiezentrum, die Vorzüge der neuen 3D-Messmaschine erklärte. Sie misst mithilfe der neuesten Software kleinste Unebenheiten aus und ist das Nonplusultra in Unternehmen. Die Digitalisierung ist in der Industrie angekommen.

Eine optimale Ausbildung wünscht sich Christian Winzer. Der angehende Industriekaufmann hat jetzt die Chance, mit einer beruflichen Reha wieder Fuß zu fassen. Denn zu viele Unternehmen sagten ihm aufgrund seiner Hörschädigung ab. Sehr bildhaft schilderte er, wie ihn die Kommunikationspädagogen im Alltag mit Dolmetschen, Erklären und Mitschreiben unterstützen. Das eröffnete den Reha-Beratern eine ganz neue Welt. Winzers Botschaft: „Es braucht mehr Kommunikationspädagogen! Je besser die Ausbildung, umso besser komme ich später im Berufsleben zurecht.“

Sei es die Unterstützung für Menschen mit Sprachstörungen durch die ärztliche Versorgung im Heidelberger Aphasie Modell oder die Weiterentwicklung des Angebots Reha Step: Die Vorträge brachten den Reha-Beratern viel Input. Und spätestens bei den Aufgaben aus der psychologischen Testung im Assessment rauchten die Köpfe.

Zum Abschluss sorgte Markus Oberscheven für Durchblick im Dschungel der Zuständigkeiten. Der Leiter der Abteilung Rehabilitation und chemische Industrie der Berufsgenossenschaft RCI erklärte, wie das neue Bundesteilhabegesetz Zuständigkeiten regelt, insbesondere wenn bei einer Reha-Leistung mehrere Träger mit im Boot sind. „Eigentlich ist klar festgelegt, dass ein Träger den Hut auf hat, trotzdem werden noch Zuständigkeiten hin- und hergeschoben und für die Bearbeitung ist oft wenig Zeit.“

Das bestätigten die Berichte der Reha-Berater. Entsprechend dankbar waren viele für die Klärung und belohnten das Engagement der Kollegen an den Reha-Tagen mit viel Applaus. „Der Blick über den Tellerrand ist für mich sehr wertvoll, ich habe viel Neues erfahren und der Einblick in die Praxis im BFW macht Spaß“, zog eine Teilnehmerin aus Göppingen ihr Fazit.