04.10
2021

Gebärdensprache als Beruf entdecken

Mehr als eine Million Menschen mit Hörschädigung leben in Deutschland, doch fehlende Kenntnisse in Gebärdensprache schaffen Barrieren. Damit mehr Hörende die Sprache lernen, bildet die SRH Berufliche Rehabilitation jetzt Dozent:innen dafür aus.

Man sitzt im Restaurant und will etwas bestellen, kann die Speisekarte aber nur in Teilen lesen. Auf Nachfrage antwortet der Kellner mit einem Wortschwall, der noch unverständlicher ist. Während viele diese Situation vor allem aus dem Urlaub kennen, sind sie für Menschen mit Hörschädigung Alltag. Denn immer noch können nur wenige Hörende die Deutsche Gebärdensprache (DGS). Das liegt mit an fehlenden Angeboten für Unterricht.

„Fakt ist: Es gibt nicht genug Dozent:innen für DGS. Inklusive Kindergärten, Schulen und Institutionen für Erwachsenenbildung melden hohen Bedarf, damit Hörende Sprache und Kultur der Gehörlosen verstehen. Dozenten für Gebärdensprache sind selbst gehörlos und können genau dieses Wissen vermitteln“, sagt Psychologe Dr. Oliver Rien von der SRH Berufliche Rehabilitation in Heidelberg. Das Bildungsunternehmen qualifiziert Menschen nach einer Erkrankung für einen neuen Beruf.

Dr. Rien unterstützt Hörgeschädigte während ihrer Ausbildung. Ihnen steht jetzt eine neue Berufschance offen: Um den wachsenden Bedarf zu decken, startet ab 18. Oktober 2021 die Ausbildung zum/zur Dozent:in für DGS.

Die Auszubildenden lernen, Menschen in Gebärden und Grammatik der DGS zu unterrichten. „In dieser Sprache wird alles dreidimensional in Bildern dargestellt. Um das vermitteln zu können, müssen Dozent:innen für DGS Muttersprachler sein“, erklärt Dr. Rien. Zusätzlich zu Gebärden und Grammatik bringen die Dozent:innen die Geschichte und Kultur gehörloser Menschen näher.

Als Rüstzeug stehen vielfältige didaktische Methoden und Psychologie auf dem Lehrplan. Ein zweiter Fokus liegt auf der praktischen Erfahrung im Unterricht: „Viele hörbehinderte Menschen haben nach der Ausbildung nicht den Mut, wirklich DGS zu unterrichten. Sie sollen deshalb bereits in der Ausbildung Schulungen in DGS vorbereiten und durchführen“, sagt Dr. Rien.

Voraussetzung für die Ausbildung sind eine gute Kompetenz in DGS (mindestens Niveau C1) und mindestens Niveau B1 in deutscher Schriftsprache. Mindestens Realschulabschluss oder eine abgeschlossene pädagogische Ausbildung sind von Vorteil und die Gehörlosen sollten sich gut in der Kultur und Geschichte Gehörloser und der Gehörlosengemeinschaft auskennen.

Die Ausbildung dauert zwei Jahre und lässt sich in Teilzeit absolvieren. Mehr Informationen beim Kompetenzzentrum Hören und Kommunikation.

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