29.10
2019

Inklusion zwischen Schreibtisch und Cloud

Foto: Dr. Oliver Rien hält seinen Vortrag

Psychologe Dr. Oliver Rien zeigte, wie Menschen mit und ohne Hörschädigung gut zusammenarbeiten.

„Wie viel verbrauchen Sie von Ihrem persönlichen Akku auf der Arbeit? Ganz ehrlich, wenn es weniger als 50 Prozent sind, dann lassen Sie das nicht Ihren Chef wissen“, schmunzelte Dr. Oliver Rien. Der Psychologe kennt sich aus mit Belastung im Arbeitsalltag. Immer mehr Menschen macht der Stress krank: In den letzten Jahren sind vor allem die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen gestiegen. Viele Betroffene müssen sich beruflich neu orientieren.

Doch wie gelingt es, als Erwachsener wieder die Schulbank zu drücken? Die Meisten denken dabei an Frontalunterricht auf viel zu unbequemen Stühlen. Wie es anders geht, zeigten die Heidelberger Reha-Tage am 22. und 23. Oktober. Die SRH Berufliche Rehabilitation hatte Experten für berufliche Neuorientierung eingeladen, sich zu Angeboten und Entwicklungen auf dem Reha-Markt auszutauschen.

Dr. Oliver Rien machte auf die Bedürfnisse einer ganz bestimmten Gruppe aufmerksam. Menschen mit Hörschädigung haben es immer noch sehr schwer, in Deutschland einen Arbeitsplatz zu finden – zu groß sind oft die Missverständnisse.

„Viele Hörgeschädigte trauen sich nicht, immer wieder nachzufragen, aus Angst vor Stigmatisierung. Doch Missverständnisse führen zu Unmut am Arbeitsplatz, deshalb müssen Hörgeschädigte lernen, damit richtig umzugehen“, erklärte Dr. Rien. Mit dem Beispiel vom Akkuverbrauch sensibilisierte er für den großen Stress im Alltag von Gehörlosen und zeigte, wie Hörende die Kommunikation erleichtern können.

Beim ergonomischen Sitzen gelten die Maße 90-90-90

Neben guter Kommunikation sind die Lernformen für eine gelungene Bildung entscheidend. In einem Praxisvormittag lernten die Reha-Berater innovative Lernkonzepte kennen, wie etwa das CORE-Prinzip der SRH Hochschulen oder neue Ausbildungen wie die Kaufleute im E-Commerce. Über Online-Lernplattformen und Clouds lassen sich Inhalte flexibel, unabhängig von Zeit und Ort, lernen. Das eröffnet insbesondere bei kurzen, spezialisierten Weiterbildungen neue Möglichkeiten.

Und selbst mit dem Bild der unbequemen Stühle wurde aufgeräumt. Beim ergonomischen Sitzen gelten die Maße 90-90-90. Befinden sich Hüfte, Knie und Ellenbogen jeweils im Winkel von 90 Grad, sitzt es sich bequem und gesund. Die Besucher lernten, wie man Bürostühle entsprechend einstellt. Danach sahen viele ihren Arbeitsplatz sicher mit ganz neuen Augen.

So können sie die besser beraten, die noch keinen Arbeitsplatz haben: Markus Homburg, Bereichsleiter Filialen, erläuterte mit Produktmanager Uwe Westerheide, wie Coachings Langzeitarbeitslose unterstützen. Beide riefen dazu auf, gemeinsam passende Förderprojekte zu entwickeln. Bei fast 50 Prozent der Reha-Teilnehmer ist mittlerweile eine psychische Erkrankung die Ursache für den beruflichen Neuanfang. Tipps für eine zielführende Kommunikation und Zusammenarbeit gaben Psychiaterin Dr. Brigitte Schmitt-Bantel und Sozialarbeiterin Heike Archut.

„Diese Erfahrungen und der Einblick in verschiedene Berufe finde ich für meine Arbeit sehr hilfreich“, war das Fazit eines Reha-Beraters der Berufsgenossenschaft. Mit diesem Wissen und Austausch im Rücken hält der Akku auf der Arbeit sicher länger.

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