14.04
2020

Weiterbildung in der Coronakrise

Lehrkraft Georg Hartmann unterrichtet vor der Webcam im heimischen Arbeitszimmer. Foto: Georg Hartmann

Erwachsene, die sich beruflich neu orientieren, lernen jetzt ebenfalls von zu Hause aus. Wie im Unterricht am PC die Praxis trotzdem nicht zu kurz kommt, zeigen angehende Maschinenbautechniker der SRH Berufliche Rehabilitation.

„Hallo, hört ihr mich?“ Keine andere Frage wird in diesen Tagen wahrscheinlich öfter gestellt. Ganz Deutschland verabredet sich zu Videokonferenzen. Die aktuelle Situation der Ausbreitung des Coronavirus machte es für die Lehrkräfte an der SRH Berufliche Rehabilitation in Heidelberg notwendig, schnell zu reagieren.

Das Unternehmen qualifiziert Menschen, die sich nach Unfall oder Krankheit beruflich neu orientieren. Normalerweise funktioniert das über Theorie und Praxis vor Ort. Wie in allen Bildungsunternehmen läuft seit Mitte März der Unterricht online, um die Gesundheit von Teilnehmern und Mitarbeitern zu schützen. Damit stand das Unternehmen vor der Herausforderung, gleichwertigen Unterricht auf die Beine zu stellen.

Nahezu von einem auf den anderen Tag wurde alles dafür vorbereitet. Und die Auszubildenden ziehen mit: „Direkt als angekündigt wurde, dass unsere Fachschule für Technik schließt, haben wir uns zu Online-Lerngruppen verabredet“, erzählt ein Teilnehmer. Dabei ist der Unterschied durchaus groß: Normalerweise arbeitet die Gruppe vor Ort gemeinsam an Projekten. Jetzt steht Lehrkraft Georg Hartmann in seinem heimischen Arbeitszimmer am Flipchart und jongliert mit physikalischen Formeln. Die Ausbildungsteilnehmer sind per Videochat zugeschaltet. Es geht um die Leistung eines Industrieofens an 3~ Wechselspannung. Gestern hat die Gruppe beim Thema Belastung und Beanspruchung schon ausgerechnet, warum das Heben einer Getränkekiste für Menschen unterschiedlich schwer empfunden wird.

Solche Beispiele aus der Praxis machen die Inhalte über die Distanz greifbar. „Klar, der Präsenzunterricht ist persönlicher und die Lehrkraft kann leichter Hilfestellungen geben. Aber insgesamt funktioniert der Unterricht am PC gut. Es ist jetzt halt mehr wie ein Fernstudium“, erklärt ein Teilnehmer.

Alle Unterlagen sind auf einem cloudbasierten Lernmanagementsystem zu jeder Tageszeit und von jedem Ort per Internet verfügbar, so dass die Teilnehmer zeitlich sehr flexibel arbeiten und  lernen können – eine weitere Kompetenz für den Übergang in den Beruf.  Die neue Form erlaubt für alle Beteiligten gewisse Freiheiten. „Ich habe heute sogar eine lange Hose an“, scherzt ein anderer. „Jeder so wie er sich am wohlsten fühlt“, ruft Georg Hartmann in das allgemeine Gelächter aus den Kopfhörern. „Wichtig ist, dass die Aufgaben gemacht werden.“ Das klappt sogar bei schlechter Internetverbindung. „Dann schicken wir die Aufgaben per Mail und laden sie auf die Lernplattform hoch“, erklärt Georg Hartmann.

Auch abseits der Technik hat die neue Situation Vorteile, erzählen die Teilnehmer: „Der Zusammenhalt als Gruppe ist stärker geworden. Wir verabreden uns zwischen den Unterrichtseinheiten, um gemeinsam zu lernen und uns auszutauschen.“ Sie bringen Ideen für den virtuellen Unterricht ein, wie ein CAD-Zeichenprogramm für den Browser.

Die Praxis darf nicht zu kurz kommen und wird sich durch Online-Möglichkeiten nach der Krise auch weiterentwickeln, ist Georg Hartmann überzeugt: „Die Lernplattform zum Austausch von Unterlagen oder Aufgaben und Erfahrungen wie die Selbstorganisation und den stärkeren Zusammenhalt werden wir weiter nutzen.“ Denn auch wenn der Online-Unterricht gut funktioniert, freuen sich alle, wenn sie wieder gemeinsam vor Ort an Projekten arbeiten können. Ohne die Frage, ob man gehört wird – aber mit genauso viel Spaß.

 

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